Wenn das neue Jahr beginnt, ist es wie Magie. Unzählige Feuerwerke lassen uns ehrfurchtsvoll in den Himmel blicken. In diesem Moment ist es laut, bunt, vergänglich und bedeutungsvoll.
Wenn der Himmel erstrahlt und uns die ganze Weite des Universums zeigt, richtet sich unsere gesamte Aufmerksamkeit auf diesen Augenblick.
Der alltäglich gelebte Maßstab wird außer Kraft gesetzt und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.
In solchen Momenten erleben wir eine ganz besondere Emotion, die jetzt ihre ganze Kraft entfaltet: Ehrfucht!
Ehrfurcht gehört zu den sogenannten selbsttranszendenten Emotionen und zeichnet sich dadurch aus, dass wir unser "Ich" als kleiner empfinden. Wir werden empfänglich für das große Ganze.
Es ist eine Emotion, die unsere Wahrnehmung und innere Erlebenswelt öffnet und unser Bedürfnis nach innerem Wachstum entfacht (Eilert, 2020).
So ist es nicht verwunderlich, dass sich unter derartiger Energie zum Jahreswechsel, Vorsätze als Ritual etabliert haben.
Welche Funktion haben Vorsätze beim Jahreswechsel?
Das alte Jahr liegt hinter uns und das neue Jahr, unbeschrieben wie ein weißes Blatt, vor uns.
Was wird kommen? Wo möchten wir hin?
Der Jahreswechsel fühlt sich wie eine symbolische Zäsur an, denn eigentlich verändert sich ja kaum etwas.
In der Forschung spricht man von dem "Fresh-Start-Effekt". Dieser beschreibt, dass zeitliche Perioden (z.B. der Beginn einer neuen Woche; eines neuen Monats, eines neuen Jahres usw. ) Menschen motivieren, Vergangenes gedanklich abzuschließen und mit neuer Motivation in die Zukunft zu blicken.
Menschen reflektieren, bilanzieren und nehmen eine Metaposition ein, um ihr Leben zu betrachten(Dai, Milkman & Riis, 2014).
Vorsätze erfüllen hierbei die Funktion, die eigene Identität und gewünschte Zukunftsbilder miteinander in Einklang zu bringen.
Sie erleichtern zwar den Start für Veränderungen, sind jedoch keine Garantie dafür, dass ein Vorsatz langfristig umgesetzt wird.
Die klassischen Vorsätze für den Jahresstart sind: Mehr Sport treiben, Gewicht verlieren oder lang gehegte Träume verfolgen.
Hier kann ich mich wunderbar einreihen. Ich hatte mir für das Jahr 2025 vorgenommen, mein Gewicht zu reduzieren.
Jetzt am Ende des Jahres muss ich feststellen, dass mir dies nicht gelungen ist.
Ich habe immer noch das gleiche Gewicht wie vor 12 Monaten. Es gab immer wieder gute Anläufe und Sport betreibe ich auch regelmäßig und dennoch wollte die Zielerreichung nicht gelingen. Ein wesentlicher Grund war sicherlich mein emotionaler Stress, der mich definitiv blockiert und teilweise bewegungsunfähig gemacht hat. Doch ich bin nicht allein!
Laut einer Forbes Gesundheitsumfrage aus dem Jahr 2024 (Forbes, 2024) scheitern die meisten Neujahrsvorsätze innerhalb weniger Monate. Im Durchschnitt nach nur 3.74 Monaten. Viele geben bereits im zweiten Monat auf.
Es gibt Gründe, warum Vorsätze scheitern
Oft scheitern Vorsätze, weil sie sich auf ein ganz bestimmtes Ergebnis ausrichten.
Bei meinem persönlichen Thema "Abnehmen" ist es mir ehrlicherweise genau so gegangen. Mein Wunschziel war so weit weg von der aktuellen Realität, dass ich eigentlich nur scheitern konnte.
Mein Wunschziel fühlte sich irgendwann an, als wenn ich einen Marathon laufen würde und dafür reichte mein Durchhaltevermögen nicht aus.
Im Gegenteil! Es hat sich nicht gut angefühlt. Ich habe mir immer wieder Druck gemacht und war frustriert, wenn ich meine Ziele nicht erreicht habe.
Und jetzt sitze ich wieder hier und denke darüber nach, was ich in diesem Jahr 2026 verändern möchte.
Ich habe entschieden, dass ich definitiv keine Vorsätze fassen werde.
Ich werde mich anders ausrichten. Ich werde mich nach meinen Werten ausrichten.
Sie dienen mir als Kompass, zeigen mir die Richtung und leiten mein Verhalten. Nicht kurzfristig, sondern langfristig.
Einer meiner absolut wichtigsten Werte ist Gesundheit!
Mir ist in den letzten Monaten wieder einmal sehr bewusst geworden, dass ich mich nur stark, kreativ und produktiv fühle, wenn ich gesund bin.
Das ist eine Motivation, die weit über eine einzelne Zahl auf der Waage hinausgeht.
Sie umfasst mein ganzes Leben.
Zudem werde ich mir keine vagen Zukunftsbilder von mir ausmalen sondern achtsam mit mir umgehen und Flexibilität statt Perfektion ins Boot holen.
Meine Ziele bekommen ab sofort einen "Realitätscheck". Sie werden erlebt, gelebt und vor allem geprüft, ob sie zu mir und meinem aktuellen Leben passen.
Ich fokussiere nicht, sondern ich öffne den Raum ganz bewusst für Veränderung ohne Erwartungsdruck.
Gabriele Oettinger schreibt hierzu, dass positive Zukunftsträume,Träume bleiben, wenn sie nicht mit dem realen Leben verankert werden. Wenn ich nur davon träume, wie ich mich mit meiner Wunschfigur durch das Leben bewege, versetze ich mich mental in einen Zustand der Glückseligkeit und dieser Zustand hält mich davon ab, den oft steinigen Weg der Veränderung zu gehen (Oettinger, 2017).
Sie geht davon aus, dass gerade die Kombination von positivem Träumen und dem Visualisieren von Hindernissen dazu führt, dass Menschen ihre Ziele erreichen.
Wunschdenken und Phantasieren von Wünschen im Leben und Hindernisse, die sich der Zielerreichung in den Weg stellen, halten sich hier die Waage.
So treffen die Wünsche auf die tägliche Realität und es gilt, damit umzugehen, damit Ziele wirklich erreicht werden können.
Realitätsbezug bedeutet auch, dass ich scheitern kann und es bedeutet auch, dass ich mich bewusst von Ideen, die dem Realitätscheck nicht standgehalten haben, verabschieden darf.
Eine gute Ausrichtung - nicht starre Ziele
Gewohnheitsbildung braucht Zeit. Es sind die regelmäßigen Wiederholungen, die das System verändern. In kleinen Schritten!
Letztlich geht es, wie immer im Leben, um eine gute Balance zwischen den möglichen Handlungsspielräumen.
Gewohnheiten sollten hilfreich sein und entlasten. Sie schaffen einen Rahmen und somit auch Stabilität und Sicherheit.
Werden sie jedoch zu starr, können sie Schuldgefühle auslösen, wenn man mit ihnen "bricht" oder sie führen zu Zwangshandlungen, die am Ende nur zu Stresserleben führen und der eigenen Gesundheit schaden.
Wenn ich etwas in meinem Leben verändern möchte, dann bedeutet dies auch, den sicheren Hafen zu verlassen. Veränderung passiert nicht in der Komfortzone!
Diese ist zwar wichtig, um sich immer wieder zu erholen und dennoch führt sie nicht zu einer neuen Gewohnheitsbildung.
Dafür wird Flexibilität benötigt, denn Flexibilität bedeutet "Veränderungsmöglichkeit".
Ein "Zuviel" davon sorgt jedoch für Haltlosigkeit und möglicherweise Orientierungslosigkeit.
Und da ist sie wieder - die sinnvolle Balance.
Vielleicht haben Sie sich ja auch vorgenommen, sich nichts vorzunehmen.
Vielleicht möchten Sie sich in Gelassenheit üben und abwarten, was das neue Jahr für Sie bereithält.
Vielleicht möchten Sie ebenfalls Ihren Werten mehr Raum im Leben geben.
Dann könnten Ihnen Reflexionsfragen helfen:
- Welche Werte sind Ihnen wichtig?
- Welche Ressourcen unterstützen Sie im neuen Jahr?
- Was darf bleiben?
- Was darf gehen?
Weitere Möglichkeiten wären:
- Mindmapping - Visualisieren Sie ein Thema, um Zusammenhänge zu erkennen
- Journaling - Bringen Sie Gedanken, Gefühle und Entscheidungen zu Papier und entlasten Sie so Ihr Gehirn
- Emotionsanalyse - Welche Bedürfnisse brauchen Raum? Was wollen Ihnen Ihre Emotionen sagen?
- ...
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kleine, bewusste Schritte dazu führen, Ziele umzusetzen. Vor allem wenn sie mit Ihren persönlichen Werten aufgeladen sind.
Sie sorgen für eine gute Balance zwischen Gewohnheiten, die Ihnen Sicherheit geben und dem Verlassen der Komfortzone.
Bleiben Sie neugierig auf das, was das Leben bereithält, probieren Sie Neues aus und führen Sie regelmäßige "Realitätsprüfungen" durch, um zu überprüfen, ob sich Ihr Leben stimmig anfühlt.
Schreiben Sie mir gerne und teilen Sie mir mit, welche Strategien Sie für sich schon ausprobiert oder neu entdeckt haben.
Quellen:
Eilert, D. W.(2020). Körpersprache entschlüsseln & verstehen. Die Mimikresonanz -Profibox. Paderborn: Junfermann Verlag
Dai, H., Milkman, K. L., & Riis, J. (2014). The fresh start effect: Temporal landmarks motivate aspirational behavior. Management Science, 60(10), 2563–2582. https://doi.org/10.1287/mnsc.2014.1901
Forbes Gesundheitsreport: https://www.forbes.com/health/mind/new-year-resolutions-survey-2024/ abgerufen 31.12.2025
Oettinger, G. (2017) Die Psychologie des Gelingens. München: Droemer Taschenbuch Verlag
Fotoquellen: www.canva.com
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