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Warum Kündigungen vom Tanzunterricht auch Chancen enthalten

Positiver Abschied durch die Würdigung einer gemeinsamen Zeit

„Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen“Aristoteles

Als Leitung einer Tanzgruppe, als Unternehmer*in einer eigenen Tanz– oder Ballettschule gehört der Anfang und das Ende einer „Geschäftsbeziehung“ zum täglichen Geschäft.

Wenn es um Lehr/Lernprozesse geht, handelt es sich in erster Linie um pädagogische Beziehungen, die wir führen.

In der Tanzbranche beginnt jede dieser Beziehungen damit, dass der Wunsch besteht, einen ganz bestimmten Tanzstil zu erlernen. Neugierde und Begeisterung sind die Motivatoren und voller Enthusiasmus wird in ein neues Abenteuer gestartet.

Wir, die Tanztrainer*innen geben uns (hoffentlich) Mühe, unseren neuen Schüler*innen, den Start zu erleichtern.

In Form einer professionellen Haltung und Kommunikation, erfolgen die ersten Schritte in Richtung Vertrauen, Harmonie und Kooperation.

Man schwingt sich aufeinander ein, die Wellenlänge passt und Gespräche erfolgen miteinander auf einer respektvollen Ebene.

Gerade am Anfang geht es nicht nur um das Erlernen von den ersten Tanzschritten, sondern vor allem auch um die Integration in eine bestehende Gruppe.

Wird eine Gruppe neu aufgebaut, ist auch dies kein Selbstläufer und es werden einige Wochen vergehen, bis es „rund“ für alle läuft und gute Gruppenstrukturen erkennbar werden.

Es ist nicht möglich, keine Beziehung zu haben!

Den Tanztrainer*innen ist es wichtig, ihr Können, ihre Leidenschaft für die Bewegung und den Tanz weiterzugeben. Sie begleiten ihre Schüler*innen meist über eine längere Zeit.

Jede einzelne Beziehung, die dabei geführt wird, hat seine eigene, individuelle Prägung.

Den Tanztrainer*innen sollte immer wieder bewusst sein, dass die Beziehungsgestaltung, unabhängig vom fachlichen Bezug, eine der zentralen Aufgaben ist.

 

Doch nicht immer fällt unser Tun auf einen fruchtbaren Boden.

Die empfundene Frustration, Ziele nicht erreicht zu haben, kann auf Seiten der Schüler*innen zu Enttäuschungen führen und am Ende die Resignation nach sich ziehen.

Ist es mir, als Tanztrainer*in bis zu diesem Zeitpunkt nicht gelungen, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, wird in letzter Konsequenz die Kündigung vom Tanzunterricht folgen.

Denn Vertrauen bedeutet, dass ich über meine Frustrationen, Ängste und Zweifel sprechen kann. Das sie ernst genommen und respektiert werden.

Finden auf dieser Basis Gespräche statt, kann rechtzeitig und vor allem gemeinsam nach Lösungen gesucht und die gemeinsame Reise fortgesetzt werden.

Wenn der Abschied naht!

Unabhängig von den unterschiedlichen Facetten und der Zeitspanne einer pädagogischen Beziehung, gehört der Abschied vom Tanzunterricht zum geschäftlichen Alltag dazu.

Besonders das Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen ist auf eine absehbare Zeit begrenzt.

Das bedeutet, dass der Tag kommen wird, an dem es auch wieder zu einer Verabschiedung kommt.

Der bekannte Ausspruch, „Nichts ist so beständig, wie die Veränderung“ trifft auf jeden Fall auch hier zu.

 

So wie es Anmeldungen für einen Tanzunterricht gibt, so kommen auch die Kündigungen jedes Jahr ins Haus.

 

Stillschweigend jede Kündigung entgegenzunehmen, ist jedoch nicht empfehlenswert.

So wie ich mir meiner Ziele für meinen Unterricht bewusst sein sollte, denn dies ist ja Teil meiner Klarheit, meiner Positionierung, so muss ich mich auch bei eingehenden Kündigungen reflektieren können.

Jede Kündigung bietet somit die Möglichkeit, über sich, sein eigenes Verhalten und vor allem seinen Unterricht nachzudenken.

Trennungsgründe gibt es viele!

In meiner Schule, die sich in einer Kleinstadt befindet, kommen jedes Jahr Kündigungen aufgrund von Schulabschlüssen. Das ist ein normaler, sich wiederholender Vorgang. Die jungen Erwachsenen verändern ihren Wohnort aufgrund von Studium und Ausbildung.

Diese Abschiede sind oft sehr emotional aufgrund der langen Bindung und der Beziehung, die man miteinander hatte. Oft bleibt man noch jahrelang in Kontakt. Es ist offensichtlich, dass diese Form der Kündigungen gut reflektiert und verarbeitet werden können. Diese Beziehung hatte einen positiven Anfang und ein „Happy End“.

 

Unerwartete Kündigungen machen einem da schon mehr zu schaffen. Vor allem dann, wenn es bei der Begründung Vorwürfe hagelt, die zu Unlust und letztlich Aufgabe geführt haben.

Keine Frage, diese Kündigungen beschäftigen jeden verantwortungsvoll arbeitenden Tanzpädagogen, jede Tanzpädagogin sehr viel länger, als andere Kündigungsformen. Diese Kündigungen treffen ins Herz.

Wer hört schon gerne über sich, dass er einen „unzureichenden“ Unterricht gestaltet hat.

Der Unterschied zwischen Vertragsabschluss und Kündigung liegt hier vor allem in den Zuschreibungen, die damit einhergehen. Was zu Beginn der gemeinsamen Zeit in höchsten Tönen gelobt wird, kehrt sich am Ende dann um und ist weniger freundlich.

Der Wind hat sich deutlich gedreht.

Die negative Darstellung der Situation zeigt vor allem verletzte Gefühle auf und es werden Annahmen über charakterliche Merkmale gemacht, die das Selbstbild der Tanztrainer*innen in Frage stellen könnten.

Trifft die Zuschreibung auf einen festsitzenden Glaubenssatz, wie zum Beispiel, „Ich bin nicht gut genug!“, kann das zu wirklichen Irritationen führen.

Kündigungen, die nicht aus einer Veränderung der Umstände ausgesprochen werden, sind emotionale Kündigungen. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Bei diesen Kündigungen lohnt sich ein Blick hinter die Kulissen und im besten Fall bekommt man ein Klärungsgespräch, um zumindest einigermaßen friedlich aus der gemeinsamen Zeit zu gehen.

Wo Menschen miteinander zu schaffen haben, machen sie sich zu schaffen!

Diese Aussage von Schulz von Thun (Psychologe) trifft in jedem Fall auch auf pädagogische Beziehungen zu und im Besonderen dann, wenn es sich inhaltlich bei diesen Gesprächen um Zuweisung von Schuld, Missgunst und auch Enttäuschungen dreht. Um Bedürfnisse, die auf der Strecke geblieben sind.

In solchen Gesprächen wird nicht miteinander, sondern zueinander gesprochen.

Jeder versucht seinen Standpunkt als den WAHREN zu festigen bzw. zu verteidigen.

Das kann sehr schnell zu einem Teufelskreis führen, der die Gesamtsituation nochmals eine Eskalationsstufe höher treibt.

Um diese Entwicklung zu vermeiden, sollten die Tanztrainer*innen in erster Linie Ruhe bewahren und eine Haltung einnehmen, die von ehrlichem Interesse zeugt. Es macht einen großen Unterschied, ob ich meine persönlichen Befindlichkeiten in den Vordergrund schiebe und meine Arbeitsweise mit Herzblut verteidige oder ob ich einen Schritt zurücktrete, emotional aus dieser Situation herausgehe und erst einmal nur zuhöre.

Recht haben alle!

Mehrere Sichten auf die gleiche Situation müssen verstanden und respektiert werden.

Die Sicht des Schülers, der Schülerin und die Sicht des Trainers, der Trainerin.

Bei Kindern und Jugendlichen meist auch noch die Sicht der Eltern.

Alle Beteiligten haben recht! Die eigenen Gefühle sind nun einmal vorhanden, können nicht per Knopfdruck verändert und müssen vor allem respektiert werden.

Für die Trainer*innen ist es hilfreich sich die Zeit zu nehmen, um über die Beziehung zu reflektieren.

100 Schritte in den Schuhen des Anderen wandeln!

Sich in die Schülerposition zu versetzen, um aus dieser Sicht die Vorwürfe zu verstehen ist dabei ein wichtiger Schritt.

Dies hilft, um die andere Sicht einzunehmen.

Man verlässt dabei sehr bewusst die eigene Perspektive, bremst emotional geladene eigene Gefühle ab und erreicht eine Ebene von Verständnis.

 

Bekomme ich die Chance für ein persönliches Klärungsgespräch, kann ich dieses Verständnis ehrlich äußern. Ich kann mich dafür entschuldigen, dass es mir nicht besser gelungen ist, die Bedürfnisse der Schülerin, des Schülers wahrzunehmen.

Vor allem hat man aber auch die Chance, die Zeit in Erinnerung zu rufen, die positiv verlaufen ist. Man kann sich gemeinsam darüber freuen, dass es diese Zeiten eben auch gab und dass diese in Erinnerung bleiben werden.

Warmherzige Wünsche für die Zukunft können dazu verhelfen, einen guten Abschied zu finden.

 

Wird ein Klärungsgespräch nicht gewünscht, kann man diesen Prozess trotzdem vornehmen, indem man sich die Erlebnisse mit dem Schüler, mit der Schülerin selbst noch einmal in Erinnerung ruft und sich auf diese Weise innerlich verabschiedet.

Wie ein bunter Blumenstrauß!

Schaue ich mir meine Schülerschaft einmal aus der Vogelperspektive an, wirken sie auf mich, wie ein wunderschöner bunter Blumenstrauß. Da gibt es Narzissen, Tulpen, Rosen usw. Jede Blume braucht eine andere Pflege, damit sie wachsen und ihre schönste Blüte erreichen können.

Das ist eine große Herausforderung.

Übertrage ich dieses Bild in den Tanzsaal, dann ist es fast unmöglich, allen Schüler*innen gleichmäßig gerecht zu werden. Zu unterschiedlich sind die Bedürfnisse jedes Einzelnen, die sich zudem von Unterricht zu Unterricht verändern können.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Beziehungsgestaltung keine Einbahnstraße ist.

So tragen auch die Schüler*innen eine Verantwortung für das Gelingen der Beziehung.

Schüler*innen dürfen und sollten ihre Bedürfnisse äußern, vor allem dann, wenn es ihnen an einem Punkt nicht gut geht.

Auf diese Weise können Tanztrainer*innen dafür sorgen, dass der „Blumenstrauß“ nie seine Schönheit verliert.

Hier kannst du die Inhalte nochmal als Podcastfolge anhören.

 

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