Von "Null" zu deinem eigenen Kindertanz Kurs - Folge 2

Die Zielgruppe ist nicht einheitlich!

Wenn ich mit Kindern im Alter von 3-8 Jahren arbeite, dann muss mir bewusst sein, dass dies eine Besondere und vor allem keine einheitliche Zielgruppe ist. Zu unterschiedlich sind einzelne Phasen in der Entwicklung und zu groß dementsprechend auch die Entwicklungssprünge.

Es macht also sehr großen Sinn, die Kinder in unterschiedliche Altersklassen einzuteilen.

Die Unterteilung in Gruppen von 3-4jährige,

5-6jährige und die 7-8jährigen würde zwar eine altersgemäße sein, aber nicht immer findet es sich so in der Realität wieder.

 

Altersgrenzen verschwimmen durch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten in der persönlichen Entwicklung.

So ergibt sich oft eine Unterteilung in die Altersgruppen 3-5 Jahre und 6–8 Jahre.

So arbeite ich persönlich auch immer wieder und das funktioniert ganz gut.

 

Lernwelten der Kinder mischen!

Kinder aus unterschiedlichen Altersgruppen vermischen ihre Lernwelten und profitieren voneinander.

Der Schwerpunkt sollte dabei auf dem spielerischen Lernen liegen. So entsteht ausreichend Flexibilität für individuelles Lernen. Ich öffne sozusagen den Raum, damit Lernen gemäß den Anlagen und Bedürfnissen von jedem Kind erfolgen kann.

Für den Unterricht bedeutet dies, die Möglichkeit zu geben, vielfältige Bewegungserfahrungen machen zu können und den Weg zur Schritttechnik kreativ zu gestalten. Trockene Lerneinheiten helfen nicht.

 

Merke dir!

Bewegung macht die Kinder glücklich und zufrieden. – Hüpfen, Springen und Herumtollen macht den Kindern Spaß und im Umkehrschluss heißt dies, wenn Kinder Spaß haben, Hüpfen und Springen sie.

Was sagt die Wissenschaft?

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Bewegung, positives Erleben, Glück und Lernen bei Kindern eng miteinander verknüpft ist.

 

Biete also in deinem Unterricht Bewegungselemente, die Spaß machen, sorge für eine positive Unterrichtsatmosphäre und die Kinder werden glücklich aus deinem Unterricht gehen und sicherlich auch etwas gelernt haben.

Kinder nehmen sich das aus deinem Unterricht mit, was sie lernen wollen.

 

Kinder sind eigenständige Persönlichkeiten

Kinder lernen sich in der Alterspanne 3-8 Jahre, als eigenständige Person wahrzunehmen.

Dies geschieht vor allem in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen, also mit anderen Kindern und natürlich auch mit den Bezugspersonen, zu denen auch der Umgang mit neuen, fremden Personen gehört.

Viele Fähigkeiten entwickelt das Kind genau in dieser Zeitspanne und für dich ist wichtig zu wissen, dass eine selbst gewählte Aktivität des Kindes, 80% der positiven Entwicklungsimpulse ausmacht.

Dies bedeutet, wenn du dem Kind genügend Raum zum Entdecken gibst, findet intensives Lernen statt.

Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass Kinder keine passiven Empfänger sind, sondern sie gestalten ihre Entwicklung aktiv mit!

 

Wie sieht es mit der motorischen Entwicklung aus?

Die motorische Entwicklung geht in der Altersgruppe 3-6 Jahre zügig voran.

Bis zum Alter von 3 Jahren geht es um grundsätzliche Bewegungsformen wie zum Beispiel: Gehen, Laufen, Balancieren, Hüpfen, Springen, Kriechen, Klettern, Rollen, um einige zu nennen.

Die Verbesserung dieser Grundfertigkeiten von Bewegungen geschieht dann bis zum 6. Lebensjahr.

Ein Ausflug in die Hirnforschung

Die Hirnforschung bestätigt, dass die Anzahl der Nervenzellkontakte bis zum 6. Lebensjahr eine Größenordnung hat, die so nie wieder im Leben erreicht wird. Man könnte sagen, es existiert ein regelrechtes Feuerwerk an Informationen, welche intern weitergegeben werden.

 

Übersetze ich dies einmal für den Kindertanz heißt dies, dass das Bewegungsmaterial immer dem Entwicklungsstand angepasst sein sollte, damit die Kinder nicht überfordert werden.

Das aber trotzdem auch genügend Anreize angeboten werden sollten, damit eine Anforderung entsteht, die bewältigt werden muss.

Nur so kann Lernen initiiert werden.

 

Die Improvisation darf im Kindertanz nicht fehlen!

Ein wichtiges tänzerisches Mittel, um sich auszuprobieren, ist die Improvisation. Hier kann wunderbar eine positive Fehlerkultur etabliert werden.

Es gibt kein „Falsch“.

Funktioniert etwas nicht, probiert das Kind weiter, ändert vielleicht seine Richtung oder sein Bewegungsrepertoire und nimmt einen neuen Anlauf zur Aufgabenbewältigung.

In solch einer Situation ist es wichtig, dem Kind zu vertrauen, dass es aufgrund seiner Lernbereitschaft, seinen eigenen Weg finden wird.

Und die Neurowissenschaft?

Aus der Neurowissenschaft wissen wir, dass das Gehirn durch Erfahrungen lernt. Das stetige Wiederholen schlägt sich dann im Wissen und Können einer Bewegung nieder.  Je öfter also eine Bewegung ausgeführt wird, desto stärker werden im Gegenzug die Muskeln und desto stabiler die Verbindungen der Nerven miteinander.

Bewegungen, die sich gefestigt haben, können dann wiederum auch in anderen Kontexten angewendet werden.

Beobachte aber einmal ganz genau, was passiert, wenn du einen gelernten Schritt in einen anderen Kontext setzt – zum Beispiel einfach mal die Front wechseln – Nicht den Blick und den Körper zum Spiegel ausgerichtet, sondern mit dem Rücken zum Spiegel gedreht.

Du wirst ganz schnell feststellen, dass sich das Leistungsniveau wieder nach unten reguliert. Das ist ein ganz normaler Vorgang, der aber deutlich macht, dass gelernte Schritte in unterschiedliche Kontexte gesetzt werden sollten, damit sie sich festigen können, um später automatisiert abzulaufen.

 

Was sagt die Pädagogik und die Psychologie?

In der Pädagogik/ Psychologie existieren unterschiedliche Konzepte, um Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Einige wichtige Stellschrauben möchte ich hier einmal nennen:

·    Es ist wichtig frühzeitig zu fördern,

·    Herausforderungen ohne Überforderung zu schaffen

·    Mit Spaß und Freude lernt es sich leichter,

·    Viele Wiederholungen festigen Lerninhalte

·    Lernaufgaben sollten so oft es geht, in den Alltag integriert werden

·    Die emotionale und soziale Entwicklung des Kindes muss berücksichtigt werden

·    Gemeinsam lernt es sich leichter

Kinder brauchen Kinder für die eigene Entwicklung

Grundlegend wichtig ist, dass sich Kinder mit anderen Kindern austauschen können. Nur so können in vielerlei Hinsicht Entwicklungserfahrungen gemacht werden. Eine davon, ist der Umgang mit den eigenen Gefühlen. Kinder müssen lernen, mit Wut, Enttäuschung aber auch Stolz oder Freude umzugehen. Emotionen lassen sich besonders bei Kindern sehr gut beobachten. Sie tragen nämlich in der Regel ihre Gefühle nach außen.

 

Wenn du also im Unterricht stehst, achte immer wieder auf die Körpersprache. Hier lassen sich Stimmungen, Gefühle, Wünsche sehr gut ablesen und die Atmosphäre oder das Stimmungsbild innerhalb der Gruppe oder von einzelnen Kindern gut einordnen.

Der persönliche Zugang zum Kind

Der persönliche Zugang zum Kind ist ein weiterer ausschlaggebender Faktor, um die Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu legen.

Hier entscheidet es sich oft in den ersten Minuten, ob das Kind Vertrauen fasst und bleibt.

Ohne eine emotionale Bindung bzw. Anbindung zur Tanztrainerin/zum Tanztrainer geht es nicht.

Es ist eines der großen Grundbedürfnisse der Menschen, Sicherheit zu haben. Erst wenn dieses Grundbedürfnis befriedigt ist, wagt sich das Kind aus der Deckung heraus.

Kinder brauchen vor allem den Kontakt zu anderen Kindern. Es möchte in einer Gruppe integriert sein, möchte dazugehören, möchte sich wohlfühlen.

Zwei wichtige Komponenten für deinen Unterricht

Arbeite ich mit Kindern oder möchte ich mit Kindern arbeiten, muss ich immer zwei Komponenten beachten. Den Zugang zur Gruppe aber auch den Zugang zu mir als Trainerin /als Trainer

 

Fördern kann ich dieses Gefühl von Sicherheit und emotionale Bindungen, indem ich dem Kind offen und freundlich gegenübertrete und ihm signalisiere, dass es nichts zu befürchten hat.

 

Dies geschieht vor allem durch:

·     Akzeptanz – ich werde so genommen, wie ich bin

·     Zuverlässigkeit – ich bin da – du kannst dich auf mich verlassen

·     Hilfsbereitschaft – ich bin da, wenn du Unterstützung benötigst

·     Fürsorge und Rücksichtnahme – ich berücksichtige, wenn es dir mal nicht gut geht und verstehe das

 

Durch mein derartiges Verhalten kann Vertrauen und eine persönliche Bindung entstehen.

Die Kinder fühlen sich wohl und können sich emotional öffnen.

Kurze Zusammenfassung

Als Zusammenfassung lässt sich sagen, dass man, wenn man mit der Zielgruppe 3-8 Jahre arbeitet, dafür sorgen muss, dass die Kinder genügend Freiraum zum Ausprobieren von Bewegungen bekommen.

Es sollte eine Atmosphäre geschaffen werden, die den Kindern entspricht.

Im Trainingssaal ist dafür die Trainerin, der Trainer verantwortlich.

Neben der Freiheit, Bewegungen ohne feste Struktur zu erleben, braucht es aber auch genauso die strukturierten Bewegungseinheiten.

Das fordert die Kinder heraus!!

Als positiven Nebeneffekt anhand vorgegebener Übungen nehmen sie etwas ganz Entscheidendes wahr: Wenn ich übe, werde ich besser!

Kinder lernen so auch beim Tanzen das Üben zu üben!

Sie können dies zudem auf ihren Alltag übertragen. Sie können sich selbstbewusst hinstellen und sagen“ Ich kann das!

 

Damit dieser Effekt eintritt, brauchen Kinder immer wieder Aufmunterungen, eine Ansprache, die Interesse zeigt und eine gute Demonstration der Übungen.

 

Der Unterricht sollte auf jeden Fall abwechslungsreich sein und auch in dem Maße intensiv, dass die Kinder ihrem Alter entsprechend gefordert und gefördert werden ohne sie zu überfordern.

Übungen für die Fein- und Grobmotorik sollten sich genauso abwechseln, wie Bewegungsformen, die den Körper aktivieren und ihn, da wo nötig, in Achtsamkeit und Ruhe einbinden.

Dies sind wichtige Stellschrauben für das emotionale Erleben und für das Lernen!

 

Lernen ist generell von Neugierde getrieben, etwas Bestimmtes hat mein Interesse gepackt! Dadurch lerne ich schneller, meine Neugierde treibt mich sozusagen an!

 

Die Welt um sich herum zu verstehen und zu erweitern, ist etwas, was alle Kinder antreibt.

Bewegung ist ein wichtiges Werkzeug für das Erleben der Außenwelt und nicht nur das – Bewegung ist auch ein Schlüssel zur eigenen, inneren Welt!

 

Was aber ebenfalls zu beachten ist und letztlich genauso wichtig ist, sind die Auszeit vom eigentlichen Lerninput.

Bewegungssequenzen, die einem Toben ähneln sind ebenso nützlich, wie notwendig, um sich auf neue Lernphasen vorzubereiten.

Sowie auch Entspannungs- oder Wahrnehmungsübungen helfen, dass das Verarbeiten von Gelerntem gelingt.

 

Macht man sich all diese Erkenntnisse zu Nutze, kann ein Unterrichtskonzept entstehen, welches eine Bereicherung für jedes Kind darstellt und für strahlende Gesichter sorgt.

Dies nicht nur auf der Seite der Kinder, sondern auch bei der Tanztrainerin/ dem Tanztrainer.

 

Denn nichts ist schöner, als wenn man erleben darf, dass Lernbegleitung gelingt!

 

Hier kannst du den Inhalt als Podcast anhören

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