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Schwellenangst und emotionale Blockaden im Tanzunterricht

Hindernisse zu überwinden, emotionale Blockaden zu lösen und Schwellenängste zu besiegen, sind typische Ängste, die sich bei Kindern und natürlich auch bei Erwachsenen zeigen können.

 

Unterschiedliche Situationen können Auslöser für diese Ängste sein und dennoch vereint sie ein gemeinsamer Nenner. Die unterschiedlichen Situationen erzeugen Stress.

 

Schwellenangst ist eine Angst von Kindern, die wir häufiger vorfinden können, bevor der Tanzunterricht anfängt.

Ein neues Kind schafft es einfach nicht, in den Saal zu treten und mit den anderen Kindern zu tanzen. Es klammert sich ängstlich an die Mutter.

 

 

Was passiert hier gerade?

Wir kennen es sicherlich alle, dass uns unbekannte Situationen nicht besonders gefallen und möglicherweise ein Unwohlsein erzeugen.

Fachlich gesprochen kommt hier ein akuter Stressor zum Einsatz.

Eine uns unbekannte Situation löst einen Erregungszustand aus. 

Akut bedeutet, dass die Situation einen klaren Anfang und ein klares Ende hat.

 

Was heißt das in der eigentlichen Situation?

Das Kind kommt an die Tür vom Tanzsaal und sieht den Trainer/in.

Es sieht all die anderen Kinder, die sich schon untereinander kennen, die sich im Tanzstudio auskennen und die zusammen eine gefühlte oder auch vorhandene Einheit bilden.

Die Gruppe kennt nicht nur den Tanzraum, sondern auch den Trainer oder die Trainerin.

Das neue Kind fühlt sich möglicherweise allein und nicht wohl in dieser Situation. Es möchte dieser Situation entfliehen und wahrscheinlich tut dieses Kind das dann auch.

In der Regel ist eine Bezugsperson mit vor Ort und dies ist dann auch der Fluchtpunkt für das Kind.

Kommt es aus diesem akuten Stress nicht heraus, verlässt es die Tanzschule ohne am Unterricht teilgenommen zu haben.

Für das Kind ist es das Ende der stressigen Situation aber wir als Trainer/in fragen uns vielleicht, ob wir etwas daran hätten ändern können.

 

Die Antwort ist schwierig, denn diesem Moment können wir nur bedingt entgegenwirken.

Wir sind nicht die grundsätzliche Ressource aus dem das Kind schöpfen kann.

 

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Meine Podcastfolge zum Thema

Ressourcen sind wichtige Begleiter für Entscheidungen

Bei einer Ressource handelt es sich um eine Quelle, die mir hilft, mein gesetztes Ziel zu erreichen. 

Die Ressource ist zum einen in dem Kind vorhanden und bezieht sich in diesem Fall auf die Intensität der persönlichen Motivation zur Teilnahme am Unterricht. Je höher die Motivation zur Teilnahme, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind die inneren Ängste überwindet. 

Es hat aber auch die Möglichkeit eine Ressource von außen hinzuzuholen. 

Damit ist die soziale Unterstützung der Begleitperson gemeint, zum Beispiel in Form von gutem Zureden oder durch das Zuschauen und somit Teilnehmen am Unterricht. Für das Kind bedeutet dies ein hohes Maß an Sicherheit.

 

Aber auch der Trainer oder die Trainerin kann mit seinem eigenen Verhalten dem Kind Unterstützung zu signalisieren. Ist dies gepaart mit einer hohen Eigenmotivation des Kindes, kann die Schwellenangst überwunden werden. 

Das Kind geht dann ohne Begleitperson mit in den Unterricht.

 

Warum ist dies von Kind zu Kind verschieden?

Jedes Kind kommt mit einer ganz persönlichen Geschichte zu uns.

Es kommt aus einem bestimmten kulturellen Umfeld und damit verhafteten pädagogischen Erziehungsansichten. 

Es hat ganz eigene psychische Charaktereigenschaften, die sich auf unterschiedliche Weise in Form von Schüchternheit oder Offenheit für Neues zeigen können. 

Es gibt bei jedem Menschen unterschiedliche Faktoren, die auf das Selbstwertgefühl einwirken können. 

Auch die Motivation spielt eine große Rolle bei der Überwindung von Ängsten.

All diese Faktoren bilden die Ausgangslage einer Person, in diesem Falle des Kindes.

 

Wieviel Erfahrungswissen bringt das Kind mit?

Grundsätzlich muss auch gefragt werden, was für einen Blick das Kind auf sich persönlich und im Umgang mit schwierigen Situationen hat.

Hat es schon ein Erfahrungswissen aufbauen können oder ist das eine gänzlich neue Situation?

 

Generell kann man sicherlich sagen, dass je mehr Erfahrungswissen und Lösungsstrategien vorhanden sind, desto leichter kann ein Kind eine neue Situation meistern. 

Vielleicht kann das Kind schon auf ein Erfahrungswissen aus dem Kindergarten zurückgreifen.

In einem solchen Fall wäre das Kind nach anfänglichem Zögern in den Unterricht gekommen. Es weiß aus dem Kindergarten, dass neue Situationen, vor allem wenn andere Kinder sichtbar Spaß haben, nicht gefährlich sind.

 

Im Leben gehört es dazu, dass man immer wieder in Situationen gerät, die zu einem 

Erregungszustand der Nerven führen können.

Hier ein paar Beispiele:

 

Alltagsstress:

·      Zug oder Bus verpasst

·      Wichtige Unterlagen vergessen

·      Musik für den Unterricht vergessen

·      Trainingstasche im Auto liegengelassen

·      Zu spät zum Unterricht gekommen und alle stehen vor der Tür und warten

·      Zu viele Termine ausgemacht 

·      Hohe Erwartungen an die eigene Trainerleistung usw.

 

Wichtig zu wissen ist, dass Alltagsprobleme/ Alltagsstress einen beträchtlichen Einfluss auf unser Wohlergehen haben. 

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass häufige und intensive Alltagsprobleme zu einer schlechten körperlichen und mentalen Gesundheit führen können.

Wenn wir es nicht schaffen, diesen Alltagsstress in den Griff zu bekommen und Situationen zu verändern, kann daraus chronischer Stress entstehen. Dies würde bedeuten, dass wir uns in einem Zustand anhaltender Erregung befinden.

 

Gründe für chronischen Stress können sein:

·      Andauernde Frustration über unsere private oder berufliche Situation

·      Wiederkehrende Belastungen

·      Ständige Besorgnis etwas nicht leisten zu können

·      Fehlende Anerkennung

·      Fehlende Wertschätzung

 

Bei chronischem Stress reichen unsere inneren und äußeren Ressourcen nicht mehr aus, den Anforderungen gerecht zu werden.

Das dies den Gesundheitszustand beinträchtigen kann, ist sicherlich nachvollziehbar.

 

Doch wie komme ich da jetzt raus?

Der Wissenschaftler Walter Cannon untersuchte und beschrieb, wie Tiere und Menschen auf Gefahr reagieren.

Er fand heraus, dass eine Abfolge von Aktivitäten in den Nerven und Drüsen in Gang gesetzt wird, die den Körper befähigen – entweder sich selbst zu verteidigen, zu kämpfen oder die Flucht zu ergreifen, um sich in Sicherheit zu bringen

Cannon bezeichnete diese duale Stressreaktion als Kampf – oder Flucht Reaktion – Fight or flight!

  

Hier sind einige Reaktionen des Körpers auf Stress:

·      Blutgefäße in Haut, Skelettmuskeln, Gehirn und im viszeralen System ziehen sich zusammen

·      Erhöhtes Schwitzen

·      Gesichtsausdruck starker Emotionen

·      Haut und Körperhaare erzeugen eine Gänsehaut

·      Nebennieren stimulieren die Adrenalinsekretion und erhöhen Blutzucker, Blutdruck 

·      Die Pupillen erweitern sich und die Ziliarmuskeln

·      Die Bronchien erweitern

·      Das Herz schlägt schneller. 

·      Die Leber schüttet Zucker in die Blutbahn aus

·      Die Blase entspannt sich

 

Beim Unterricht mit kleinen Kindern kann sich unmittelbarer Stress also auch in einem dringenden Toilettengang ausdrücken. Hier sollte man deshalb genau hinschauen. 

Ist der Wunsch auf die Toilette zu gehen, möglicherweise eine Flucht aus einer Situation, der sich das Kind nicht gewachsen fühlt? 

 

 

Alle Stressoren verlangen nach Anpassung!

Das oberste Ziel von jedem Organismus ist Unversehrtheit und Balance.

Die Reaktion auf Stressoren hat Hans Selye in folgende drei Stufen (Das allgemeine Adaptionssyndrom) unterteilt:

 

·      Alarmreaktion – kurze Perioden körperlicher Erregung, die den Körper für energische Reaktionen bereit machen

·      Widerstandsstadium – dauert ein Stressor an tritt der Körper in ein Stadium des Widerstands ein – ein Zustand moderater Erregung. Während dieser Stufe kann der Organismus weitere schwächende Stressoren ertragen und ihnen widerstehen

·      Stufe der Erschöpfung – dauert der Stress an und gehen die eigenen Ressourcen zur Neige, geht der Körper in den Zustand der Erschöpfung über

 

Ist der Körper ständig gestresst, gefährdet die gesteigerte Produktion von Stresshormonen das Funktionieren des Immunsystems. 

Was den Körper bei akutem Stress gesund hält, beeinträchtigt ihn bei chronischem Stress.

Wir können Stressoren nicht vermeiden aber wir können lernen, mit ihnen umzugehen. 

 

Was sind passende Strategien?

Strategien sind kognitive oder verhaltensmäßige Anstrengungen,

die dazu führen, dass die Bedrohung minimiert wird.

 

Folgende Strategien können helfen:

 

Veränderung der Situation

·      Einholen von Informationen

·      Soziale Unterstützung

 

Veränderung der Gefühle du Gedanken

·      Kognitives Umstrukturieren

·      Innerliches Distanzieren

·      Sich-Ablenken

 

Kognitive Bewertung von Stress

·      Gedankliche Interpretation und Beurteilung von dem Stressor

·      Definition der Situation

·      Was wird gefordert

·      Wie groß ist die Bedrohung

·      Welche Ressourcen stehen mir zur Verfügung

 

Je mehr Strategien zur Verfügung stehen, desto besser gelingt es, mit der Situation umzugehen.

 

Was heisst das für den Tanzunterricht mit Kindern?

Für den Tanzunterricht mit Kindern heißt dies vor allem, dass ich die Ängste des Kindes auf jeden Fall ernst nehmen sollte.

Sei es die Schwellenangst oder eine emotionale Blockade während des Unterrichts.

In einem ersten Schritt gilt es, das Kind zu beruhigen und ihm Unterstützung zu geben.

Ich nehme das Kind aus der Situation heraus und versuche zu klären, was die Ursachen für die Ängste sind. 

Bei einer starken Schwellenangst kann eine Probestunde zum Beispiel auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Meistens kommen die Kinder nach einigen Monaten mit mehr Erfahrungswissen zurück und ein Start in den Unterricht ist dann problemlos.

Bei emotionalen Blockaden im Unterricht habe ich als Trainer/in das Vertrauen des Kindes schon gewonnen und ich bin dann in diesem Moment die wichtigste Ressource für das Kind.

Der beste Weg ist immer Unterstützung anzubieten und Mut zuzusprechen. 

 

Gemeinsam lassen sich Hindernisse und Ängste überwinden!

 

Einer der wichtigsten Fundamente in der Arbeit mit Kindern und im Tanzunterricht, ist der Aufbau einer positiven Unterrichtsatmosphäre. 

Die Kinder sollten erleben, dass Kritik konstruktiv und verhältnismäßig ist, dass Fehler und Enttäuschungen zum Lernen dazugehören und dass vor allem Erfolge gefeiert werden dürfen.

 

Das verhindert zwar nicht die Schwellenangst bei neuen Kindern aber es vermindert die emotionalen Blockaden und Stressoren im Unterricht.

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sylke_damerau

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