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Improvisation - Türöffner zu unseren Emotionen!

Tanzen in seiner künstlerischen, theatralischen Unterhaltungsform entwickelte sich erst im Laufe der Geschichte.

Tanz als Ausdruck und Mittel ist jedoch so alt wie die Menschheit selbst. Der Mensch tanzte vor allem aus elementaren Gründen. Er drückte mit Tanz seine Freude und Trauer aus oder er benutzte Tanz, um religiöse Rituale auszuführen.

„Dance, dance otherwise we are lost!“ ist für mich eines der schönsten Zitate von Pina Bausch, die bedeutendste Choreografin ihrer Zeit und eine Kunstschaffende, die immer wieder mit Konventionen brach und das Tanztheater als Kunstgattung etablierte.

Den Tanz in seiner Vielfalt zu greifen und zu definieren, ist ein schwieriges Unterfangen. Tanz – und Bewegungsarten gibt es unzählige.

Dennoch, es gibt ein starkes Verbindungselement, einen gemeinsamen Nenner, welches alle Tanzstile vereint.

Der gemeinsame Nenner sind die Emotionen, die durch Tanz sichtbar werden.

 

Emotionen als Bindeglied aller Tanzstile

 

Ohne Emotionen wirken Tanzschritte, wirkt ein Tanz, wie eine leere Hülle.

Es sind die Emotionen, die dem Tanz seinen ästhetischen Wert verleihen.

Unsere Emotionen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Seins. Sie sind die Grundlage für unser persönliches Erleben und Verhalten und für unseren sozialen Austausch mit anderen Menschen. Wir müssen unser gesamtes Leben lernen, mit unseren Emotionen umzugehen und die Emotionen anderer zu respektieren.

 

Psychologen definieren Emotion als ein komplexes Schema von körperlichen und mentalen Veränderungen. Unter dieses Schema fallen:

·       Gefühle

·       Kognitive Prozesse

·       Physiologische Erregung

·       Reaktionen auf bedeutungsvolle Situationen

 

Emotionen ermöglichen mir, eine Situation zu bewerten, um dann eine passende Strategie, ein passendes Verhalten zu entwickeln und in letzter Konsequenz dieses Verhalten zu kommunizieren.  Non verbal oder aber auch verbal.

Indem wir unsere Emotionen bewusst wahrnehmen, sich mit ihnen auseinandersetzen, schaffen wir eine Voraussetzung für eine mentale Gesundheit, die sich auch konsequenterweise auf unseren Körper auswirkt. Denn Körper und Geist sind eine unzertrennbare Einheit.

Beim Tanzen erlebe ich diese Einheit in einer sehr intensiven und reinen Form.

Für mich persönlich hatte Tanzen schon als Kind einen starken, therapeutischen Aspekt.

Meinen innersten Gefühlen habe ich Raum gegeben, sich zu zeigen.

Ich konnte vieles, was mich beschäftigt oder auch bedrückt hat, durch das Tanzen loslassen.

Das ist bis heute so geblieben.

Dennoch, auch wenn mein beruflicher Weg dies kurz streifte, bin ich keine Tanztherapeutin geworden.

Der künstlerische Tanz hatte für mich damals eine größere Faszination.

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In dieser Podcastfolge spreche ich ebenfalls über Improvisation im Tanzunterricht

Warum wir Improvisation in unseren Tanzunterricht einbauen sollten

 

Um ein tieferes Verständnis von seinen eigenen Emotionen zu bekommen, um sich beim Tanzen zu spüren, dienen Improvisationseinheiten im Unterricht als wunderbare Quelle.

Sie geben der eigenen Kreativität einen Raum.

Improvisation bietet die Möglichkeit, ein eigenes, ganz persönliches Bewegungskonzept zu gestalten.

In Bezug

·      auf den Raum,

·      dem Rhythmus,

·      der Schwerkraft,

·      der Bewegungsdynamik.

 

Mal schnell, mal langsam, mal fließend, mal mit Akzenten, mal oben, mal unten oder einfach überall. Nichts ist so individuell beim Tanzen, wie die Improvisation.

Nichts ist persönlicher. Nichts trifft mehr die eigene Seele.

Innerhalb der Improvisation folgen wir nur unserem eigenen Muster. Wir lassen uns spontan auf eine Bewegung ein, die wir im nächsten Moment verwerfen, um eine neue Bewegung zu kreieren.

Es gibt keine Kritik, kein Falsch, keine Beurteilung.

Es ist ein Spielfeld, auf dem es sich lohnt zu verweilen und dem eine Tradition und Geschichte vorausgeht.

 

Improvisation und Ausdruckstanz - eine starke Verbindung

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand der Ausdruckstanz, der darauf abzielte, starre Formen zu durchbrechen und der persönlichen Bewegungsfreiheit Raum zu geben.

Die Ausdrucksformen wollten sich als Protest verstanden wissen, der sich gegen die erstarrten und künstlichen Bewegungsmuster des Klassischen Balletts, gegen gesellschaftliche Zwänge, gegen vorherrschende bürgerliche Werte und Moralvorstellungen richtete und auch ein Befreiungsversuch gegenüber der fortschreitenden Rationalisierung und Mechanisierung vieler Lebensbereiche war. So fungierte der Moderne Tanz als Schlüsselmedium aller Künste und als Symbol der Moderne.

Was als Gegenbewegung zum klassischen Ballett entstand, ist heute als Zeitgenössischer Tanz ein elementarer Teil jeder künstlerischen Tanzausbildung.

Und immer wieder ist ein wichtiges Feld, seine eigene Tanzsprache zu finden, die Improvisation.

Ein wichtiger Vertreter im Erschaffen einer Theorie für den Ausdruckstanz war Rudolf von Laban.

Seine Arbeiten beeinflussten vor allem die Tanzkunst im 20. Jahrhundert und wirken bis in die heutige Zeit hinein, da seine Forschungen auf die Gewinnung allgemeingültiger Aspekte und Kenntnisse tänzerischer Bewegung abzielten.

Besonders für den Kreativen Kindertanz dient sein Werk als unstillbare Bezugsquelle.

 

 

Der Trainer/in als Verbindungsglied

 

Kreativität entwickeln, Bewegungsfreiheit spüren und den Körper als Ausdrucksmittel erkennen, sind wichtige Aspekt in der Körperarbeit.

Gerade im Unterricht mit Kindern, sollten sie nicht fehlen.

Kinder sind grundsätzlich sehr offen für dieses spannende Thema.

Ein Selbstläufer ist eine Improvisationseinheit jedoch nicht.

Denn Improvisation ist nicht nur einfach ‚Herumtanzen‘ in freier Form.

Nicht einfach nur eine Anleitung: “Tanzt, einfach zu Musik, was ihr wollt!“

Es ist eine sehr bewusste Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, mit der Musik, mit der Vielfalt an Bewegungen.

Richtig eingesetzt, wird die Improvisation sehr in die Tiefe gehen.

Auch wenn alle Kinder einen grundsätzlichen Bewegungsdrang haben, die Welt um sich herum entdecken wollen, heißt es noch lange nicht, dass sie einen Zugang zu sich selbst haben.

Aus meiner Praxisbeobachtung weiß ich, dass einige Kinder sofort tief in ihre eigene Welt abtauchen können. Sie vergessen alles um sich herum.

Während anderen Kindern der Zugang zu ihrer inneren Stimme, ihrem inneren Gefühl schwerfällt.

Hier lohnt es sich mit unterschiedlichen Musikstilen zu arbeiten.

Denn als erstes muss das Kind die Musik erfassen, muss die Stimmung der Musik verstehen, um darauf antworten zu können. Wir haben aber nicht zu jeder Stilrichtung den gleichen Zugang.

Vielfalt im Unterricht ist auch hier wieder ein guter Ratgeber.

Wir als Trainer/in müssen hier die Brücke bauen.

In der Improvisation mit Kindern geht es vor allem um Einfachheit der Aufgabe, Bildersprache und eine gute Kommunikation.

Durch die Art und Weise, wie eine Musik klingt, kann ich durch die „Übersetzung“ der Tonhöhe, der Intensität, dem Tempo, dem Timing, der Phrasierung oder der Klangfarbe eine Stimmung für das jeweilige Musikstück ausmachen. Freude und Glück wird zum Beispiel durch ein schnelles Tempo und mitreißende Rhythmen ausgedrückt, während sich Trauer eher durch langsame und tragende Musik kennzeichnet.

Die Vorbereitung einer Improvisationseinheit, wenn sie denn nicht nur dem Selbstzweck dient, nimmt auf jeden Fall Zeit in Anspruch.

Dennoch lohnt es sich, diesen Weg zu gehen.

Es ist eine Freude den Kindern beim ‚Loslassen‘ und ‚Entdecken‘ zuzuschauen.

Beim Entfalten des eigenen Potential Unterstützer zu sein und einer noch jungen Generation den Weg in die Kreativität zu eröffnen.

 

„Dance, dance and we will never be lost!“

 

 

Buchtipp:

 

Richard J. Gerrig & Philip G. Zimbardo – Psychologie, (2018)

 

 

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